Rund 1800 Menschen stellten sich am Samstag in Zürich erfolgreich einem Aufmarsch von Abtreibungsgegner*innen entgegen. Trotz grossem Polizeiaufgebot konnten die rechten Fundis nur eine kurze Runde laufen.

Am Samstag, 14. September 2019 versammelten sich kurz vor 13 Uhr weit über tausend Menschen auf der Zürcher Josefswiese. Das Bündnis für ein selbstbestimmtes Leben hatte dazu aufgerufen, sich dem sogenannten «Marsch für’s Läbe» entgegenzustellen, welcher sich wenige hundert Meter weiter auf dem Turbinenplatz traf. Schon kurz nachdem sich die Demo in Bewegung gesetzt hatte, riegelte die Polizei mit einem Grossaufgebot und Wasserwerfern die Strasse zur rechten Kundgebung ab.

In der Folge suchten sich die Demonstrant*innen durch Seitenstrassen und über Hinterhöfe den Weg auf die Route der Abtreibungsgegner*innen. An vielen Stellen wurden brennende Barrikaden errichtet. Die Polizei setzte massiv Tränengas, Wasserwerfer und Gummischrot ein, um den Weg für den rechten Aufmarsch freizumachen, verlor aber immer mehr die Kontrolle. Schliesslich fand sich auf dem Limmatplatz ein grosser Teil der Fundi-Gegner*innen wieder zusammen und zog lautstark durch das Quartier zurück auf die Josefswiese.

Zürcher Polizei schiesst mit Tränengas auf Kinder und lügt auf Twitter

Wie immer an einem sonnigen Samstag Nachmittag tummelten sich auf der Josefswiese viele Menschen aus dem Quartier. Kinder planschten im Brunnen, Jugendliche spielten Beachvolleyball, ältere Männer Boule. All dies hielt die Zürcher Polizei nicht davon ab, ausgerechnet die Kinderecke des Parks von einer Eisenbahnbrücke aus mit Tränengas zu beschiessen. Später stritt ihr Mediensprecher zwar alles ab, aber die Bilder von eingenebelten Spielgeräten und Kinderwägen sprechen für sich. Schon vorher verbreitete die Polizei auf Twitter die Lüge, dass die Gegendemonstrant*innen «Wurfgegenstände» in Kinderwägen mitgeführt hätten.

So sah er aus, der «Kinderwagen mit Wurfgegenständen»

«Wir haben auf der Josefswiese kein Tränengas eingesetzt» – Polizeisprecher Marco Cortesi

«Heute war nur die feministische, antirassistische und queere Bewegung in der Öffentlichkeit präsent»

Davon liessen sich die Demonstrant*innen indes nicht abschrecken: Sie teilten sich in mehrere Finger auf und versuchten erneut, an den Fundi-Aufmarsch heranzukommen. Dieser startete mit grosser Verspätung und musste alsbald wieder umdrehen, weil erneut Hunderte die Limmatstrasse blockierten. Nicht nur sie waren den Abtreibungsgegner*innen alles andere als wohlgesinnt: Von vielen Balkonen im Quartier hingen Transparente, Häuserwände waren mit Plakaten und Parolen verschönert und Passant*innen beschimpften die Fundis lautstark.

Die rechten Christ*innen waren schon wieder auf dem Rückweg, als die Polizei auf Rache sinnte. Die Gegendemonstrant*innen wollten den Tag mit einer Jubeldemo über die Langstrasse beschliessen – «auf der Langstrasse demonstrieren nur wir!». Ein Grossaufgebot der Polizei verhinderte dies und kesselte rund 175 Menschen in einer Seitenstrasse ein. Nach einer Kontrolle wurden sie bald wieder rausgelassen.

Das Bündnis für ein selbstbestimmtes Leben, welches zu den Protesten aufgerufen hatte, wertete den Tag insgesamt als Erfolg: «Es hat sich gezeigt, dass rechte Aufmärsche nicht hingenommen werden müssen, und dass wir uns mit direkten Aktionen und vielfältigen Formen erfolgreich dagegen wehren können. Statt reaktionärer Ideologie war heute die feministische, antirassistische und queere Bewegung in der Öffentlichkeit präsent.»