ajour ist ein selbstorganisiertes Onlinemagazin aus der anarchistischen und kommunistischen Bewegung in der Schweiz. ajour hält auf dem Laufenden, übt Kritik und fördert Debatten.

Als Magazin für autonomen Journalismus unterscheidet sich ajour wesentlich von anderen Zeitungen und Medienunternehmen. Weder kennt ajour eine Chefredaktion, noch ist es einer Partei oder Organisation verpflichtet. Unser Magazin ist gratis und trotzdem nicht von Werbeeinnahmen und Geldgeber*innen abhängig. Im Journalismus wie auch in den sozialen Kämpfen ist Autonomie für uns ein nicht verhandelbares Prinzip. Deshalb arbeitet unser Redaktionskollektiv basisdemokratisch und in absoluter Selbstverwaltung. Kein Kollektivmitglied verdient Geld am Artikelschreiben. Der nicht-professionelle Status verleiht uns kreative Freiheit, bringt aber auch einen Mehraufwand zur täglichen Lohn- und Reproduktionsarbeit mit sich.

Als schreibende Lohnabhängige pflegen wir einen Journalismus „von unten“. Das heisst einerseits, dass wir, ohne irgendwelche formellen Bedingungen vorauszusetzen, alle Leute dazu einladen, selbst das Wort zu ergreifen. Uns ist es wichtig, Wissen, Fähigkeiten und Ressourcen zu kollektivieren und mit vielen und unterschiedlichen Menschen in Korrespondenz zu treten. Nur so können wir voneinander profitieren, Hierarchien abbauen und zusammenfinden. „Von unten“ heisst aber auch, dass wir nicht aus der Warte der vermeintlichen Neutralität schreiben, welche nur die herrschenden Verhältnisse reproduziert. Viel mehr nimmt ajour die marginalisierten und diskreditierten Perspektiven des Widerstands gegen Ausbeutung und Unterdrückung ein. Dabei richten wir, als Teil der Klasse, die im Kapitalismus nichts zu gewinnen hat, unseren Fokus auf die Momente der Auflehnung gegen die herrschende Ordnung. Hierzu fühlen wir dem alltäglichen Wahnsinn der kapitalistischen Gesellschaft auf den Zahn, versuchen die gesellschaftlichen Zustände und Entwicklungen zu analysieren.

Besondere Aufmerksamkeit schenkt ajour den Brüchen und Konflikten in unserer Klassengesellschaft. Ihnen gehen wir nach und sind unter den Menschen, die sich gegen die systematischen Zumutungen des Staates und der Unternehmer*innen zur Wehr setzen, bei Leuten, die das Maul aufmachen gegen Rassismus, Sexismus und andere Unterdrückungsmechanismen, die sich solidarisch zusammenschliessen und sich organisieren, die zum Unrecht nicht schweigen, sondern auf die Strasse gehen, die streiken und besetzen. Wir sind dabei weder reine Beobachter*innen, noch Avantgarde. Wir bringen uns selbst ein ins Handgemenge und streiten gemeinsam mit all jenen, die den Kapitalismus und den Staat abschaffen, die befreite Gesellschaft aufbauen wollen. ajour ist ein Werkzeug dazu!

ajour-Redaktionskollektiv, März 2017.